Immer im Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Menschen nach draussen locken, liegt sein Duft in der Luft der lichten Wälder: der Bärlauch.
Dass der Bärlauch genauso wie Knoblauch den Lauch im Namen hat, leuchtet den meisten ein, erinnert sein Geruch und Geschmack doch stark an das zwiebelige Gemüse. Doch was genau der Bär mit dem Bärlauch zu tun hat, wissen die Wenigsten. Und dabei wird er über Sprachgrenzen hinweg als Bärengewächs bezeichnet: «ail des ours» auf Französisch, «bear‘s garlic» auf Englisch oder «aglio orsino» auf Italienisch, um nur einige Beispiele zu nennen.
Bereits die Römer hatten vor 2000 Jahren den Bärlauch nach dem starken Tier benannt: Allium ursinum. Die Theorie dahinter ist einfach: Der Bär ist ein starkes Tier und dem Bärlauch werden heilende und stärkende Kräfte nachgesagt. So wie auch bei den Pflanzenarten Bärenklau, Bärlapp, Bärentraube oder dem Bärwurz. Andere verweisen die Wortherkunft auf das Sternbild des Grossen Bären, welcher wie der Bärlauch in nördlichen Regionen anzutreffen ist. So bedeutet auch die Region im hohen Norden, die Arktis, auf Altgriechisch wörtlich übersetzt: «Land unter dem Grossen Bären».
Bärlauch war nicht immer so beliebt wie heute
Erst seit dem 20. Jahrhundert ist der Bärlauch als Küchenkraut wieder auf dem Vormarsch. Dass er in Vergessenheit geraten ist, wird den mittelalterlichen Mönchen zugeschrieben. Dem Bärlauch wird nachgesagt fruchtbarkeitsfördernd zu sein. Eine Eigenschaft wofür auch der Bär symbolisch steht. Ausserdem fördert das Gewächs auch die Sinnlichkeit, ähnlich wie es dem Knoblauch auch nachgesagt wird. Diese Eigenschaften waren für fromm lebende Mönche natürlich nicht besonders attraktiv, weshalb es kurzerhand verteufelt wurde.
Warum der Bärlauch nur im Frühjahr wächst
Bärlauch wirkt wie ein Reinigungsmittel für Magen und Darm, ein Frühjahrsputz für den Körper quasi. Darum macht es auch Sinn, dass er im Frühling wächst. Auch der namensgebende Bär hat eine Vorliebe für Kräuter und muss seinen Magen und Darm nach dem langen Winterschlaf wieder in Schwung bringen.
Da Bärlauch am Waldboden wächst, muss er blühen, bevor die Baumkronen dicht bewachsen sind und keine Sonnenstrahlen mehr durchlassen.
Regional und saisonal
Sobald der Bärlauch gepflückt ist, sollte er aber schnellstmöglich verarbeitet werden. All die positiven Eigenschaften, die ihn so gesund und lecker machen, lassen sich schlecht konservieren. Kocht man die Blätter ab, verlieren sie ihre Nährstoffe und den Geschmack. Darum empfiehlt sich, aus den Blättern ein Pesto zu machen. Das hält zwar auch nicht ewig, aber immerhin ein paar Tage. Einfrieren ist auch eine Option, allerdings gehen auch hier wertvolle Nährstoffe verloren. So zwingt uns das Kraut quasi, es regional und saisonal zu konsumieren. Welche Gemüse und Früchte sonst noch Saison haben, verrät unser Saisonkalender.
Und noch einen grossen Vorteil bietet Bärlauch: Er wächst direkt vor unseren Füssen, ohne dass Ressourcen oder wertvolle Ackerflächen verbraucht werden. Die Natur liefert uns diese nachhaltige Delikatesse frei Haus.
Guten Appetit!
Übrigens, auch andere Wildkräuter eignen sich bestens als Vitaminbomben:
Wald und Wiese als Salatbeet »
(Bericht: Laura Angelstorf, Biovision)