«Genuss muss das Ziel sein» – Interview mit Josef Zisyadis, dem Präsidenten von Slow Food Schweiz

Am Wochenende fand der Slow Food Market 2017 in Zürich statt. 250 Aussteller aus etlichen Ländern Europas präsentierten über 1000 Produkte, die Genuss, Handwerk und Verantwortung verbinden. Josef Zisyadis, Präsident von Slow Food Schweiz, stand uns Rede und Antwort zu einigen interessante Fragen rund um Slow Food.

Warum ist ein Slow Food-Produkt besser als ein anderes?

Die Philosophie von Slow Food orientiert sich an drei Kriterien: gut, sauber und fair. Gut, weil frische, wohlschmeckende und saisonale Lebensmittel die Sinne anregen und befriedigen und dabei Teil der lokalen Esskultur sind. Sauber, weil Slow Food die Umwelt nicht belastet und keinen Schaden an Mensch, Tier und Natur verursacht. Fair, was die Bezahlung und Bedingungen für Hersteller, Handel und Konsument angeht. Diese Kriterien vereint sonst keine andere «Marke» bzw. Label.

Welche Kriterien müssen Produkte erfüllen, um das Label Slow Food zu erhalten?

Slow Food ist gar kein Label. Es gibt keine Kontrollen im Rahmen einer Zertifizierung. Trotzdem schauen wir uns ganz genau an, ob ein Produkt bei Slow Food aufgenommen werden soll; wir haben also unsere eigenen Zulassungskriterien. Uns ist es ein Anliegen, die Vielfalt der Produktpalette zu bewahren. Es ist schade, dass so viele gute, erhaltenswerte Produkte verloren gehen, weil sie keinen Markt finden. Wir helfen den Produzenten indem wir ihnen eine Plattform bzw. ein Vertriebsnetz bieten.

Das Motto des Marktes ist ja «Genuss mit Verantwortung». Welche Verantwortung soll der Konsument tragen? Was kann Ihrer Meinung nach jeder Einzelne und jede Einzelne tun?

Der Konsument sollte die kleinen, aber feinen Produzenten seiner Region kennen und mit ihnen in Kontakt treten. Er sollte sich die Zeit nehmen, ihre Produkte zu probieren und sie bei Gefallen durch den Kauf dieser Produkte unterstützen. Bei der Verarbeitung und dem Verzehr wird er merken, wie viel besser sich Slow Food-Produkte anfühlen und schmecken.

Welche Verantwortung sollte die Politik tragen?

In diesem Jahr gab bzw. gibt es zwei Initiativen zum Thema Nahrung: Die Trinkwasserinitiative und die Initiative zur Ernährungssicherheit. Die Politik muss Anreize schaffen, die Vielfalt unserer Lebensmittel zu bewahren. Kleine Produzenten, die ihr Handwerk verstehen und mit viel Aufwand und Sorgfalt gute Produkte herstellen, müssen belohnt werden. Eine grosse Gefahr stellen die momentan in der Diskussion stehenden Freihandelsabkommen TTIP und CETA dar.

Was trägt Slow Food zur globalen Ernährungssicherheit bei?

Hier ist ganz klar die Diversität ein grosser Beitrag. Durch viele kleinere Produzenten, die auch in ländlichen Regionen verteilt sind, haben die Menschen einen besseren Zugang zu gutem und gesundem Essen. Wir sollten uns auch ein Beispiel an der Ernährung von Menschen in ärmeren Ländern nehmen: Ihr Teller ist oft gefüllt mit unterschiedlichen Gemüsen, Früchten und Hülsenfrüchten, die direkt dort wachsen und über Märkte oder an Strassenständen verkauft werden. Auch müssen wir unseren übermässigen Fleischkonsum überdenken. Lieber etwas weniger, dafür hochwertig und unter nachhaltigen Bedingungen produziert. Genuss muss das Ziel sein. Ernährung sichern heisst nicht einfach nur satt werden, sondern auch nährstoffreiche, wohlschmeckende Produkte ausreichend zur Verfügung zu haben.

Was ist Ihr persönliches Slow Food-Lieblingsprodukt? Was ist Ihr liebstes Slow Food?

Der Käse Vacherin fribourgeois, und zwar die Variante mit Rohmilch. Nur 2% dieser Käsesorte werden mit Rohmilch hergestellt und so ist sie also etwas ganz besonderes.

 

Das Interview führte Anna Steindl, Kommunikation und Online-Redaktion bei Biovision.

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