Ist die Förderung nachhaltiger und fairer Ernährung Aufgabe des Staates?

 

Update:

5. März 2018: Nachhaltigkeit braucht faire und gesunde Ernährung - trotz Nein aus Basel

Das Basler Stimmvolk lehnte die Initiative "Nachhaltige und faire Ernährung" von Sentience Politics ab im Gegensatz zu den Zürcherinnen und Zürcher, die im Herbst 2017 einen Gegenvorschlag zur gleichen Initiative mit 60% annahmen. Die Initianten wollten erreichen, dass sich der Stadtkanton ein Leitbild gibt, das vegetarisches und veganes Essen fördert. Die Zustimmung von lediglich 32.9% der Stimmenden zeigt, dass in Basel noch viel Sensibilisierungsarbeit notwendig ist. Im Jahr 2016 konsumierten Herr und Frau Schweizer im Schnitt pro Kopf knapp 51 kg Fleisch. Zur Verminderung der Umweltverschmutzung und dem Schutz des Klimas muss diese Menge reduziert werden. Wissenschaftliche Studien haben das wiederholt belegt. Die Erkenntnis, dass dieser Weg am einfachsten und genüsslichsten über ein abwechslungsreiches Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten in Kantinen und Restaurants zu erreichen ist, ist noch zu wenig breit verankert. Die globalen Nachhaltigkeitsziele können jedoch auch in der Schweiz nicht ohne Verhaltensänderung erreicht werden. Sentience Politics sammelt deshalb bereits Unterschriften für weitere Abstimmungen und Biovision bleibt mit dem Projekt nachhaltiger Konsum am Thema dran.

 


Update:

27. November 2017: Die Zürcherinnen und Zürcher sagen klar Ja zu nachhaltiger und fairer Ernährung

Im Gemeinderat empfahl nur eine knappe Mehrheit die Vorlage anzunehmen, aber das Resultat an der Urne war eindeutig. 60 % sagten Ja und gaben dem Gemeinderat somit den Auftrag, zukünftig umweltschonende Ernährung in der Stadt zu fördern und die Bevölkerung über die Auswirkungen der Ernährung auf das globale Klima zu informieren. Im März 2018 hat dann die Bevölkerung der Stadt Basel die Möglichkeit, ihre Stimme zu einer ähnlichen Vorlage abzugeben.


Beitrag vom 22. November 2017 zur Abstimmungsvorlage:

Im Herbst 2015 reichte das überparteiliche Initiativkomitee Sentience Politics die Volksinitiative "Nachhaltige und faire Ernährung" bei der Stadt Zürich ein. In der Reduktion des Konsums von Tierprodukten sieht das Komitee einen wichtigen Hebel zur Förderung der Nachhaltigkeit. Deshalb wollte die Initiative die Stadt zur Förderung einer ressourcenschonenden, vermehrt pflanzlichen Ernährung verpflichten.

Die Initiative wurde dann nach der Beratung im Gemeinderat zu Gunsten des Gegenvorschlages zurückgezogen. Dieser sieht die Förderung von umweltschonender Ernährung und Information über den Einfluss der Ernährung auf das globale Klima vor. Für das Initiativkomitee ist das ein (erster) wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Diese Änderung würde zwar nicht so weit gehen wie die ursprüngliche Initiative, aber sich klar für eine nachhaltigere Ernährung in der Stadt Zürich aussprechen. "Im Gemeinderat könnten bei der Annahme des Gegenvorschlags mit Vorstössen und Motionen Massnahmen zur Förderung des veganen Angebots in den städtischen Verpflegungseinrichtungen sowie Sensibilisierungskampagnen und Informationsanlässe eingefordert werden. Politisch lässt sich somit auch mit dem Gegenvorschlag im Endeffekt richtig Gutes bewirken.", meint Meret Schneider von Sentience Politics zur Abstimmung am Sonntag.

Handlungsbedarf wird bestritten - trotz eindeutiger Faktenlage

Die SVP hat Angst um die Bratwurst und warnt mit ihrer Plakatkampagne vor linker Bevormundung. Sie ist Teil der knappen Minderheit im Gemeinderat, welche die Vorlage ablehnt. Die Minderheit vertritt den Standpunkt, die Stadt sei heute bereits sehr aktiv, was ökologische und nachhaltige Ernährung betrifft. Weitere Richtlinien seien unnötig. Aber reicht das bisherige Engagement wirklich aus? Die grosse Umweltbelastung der Nutztierhaltung ist bekannt und wissenschaftlich belegt. Vergangene Woche veröffentlichte Agroscope eine neue Studie, die feststellt, dass die heutige Situation in der Schweiz vom Optimum einer umwelt- und ressourcenschonenden Ernährung weit entfernt ist. Der hohe Fleischkonsum und die grosse Lebensmittelverschwendung sind dafür hauptverantwortlich. Die Sensibilisierung der Bevölkerung für ein sozial- und umweltverträgliches Ernährungsverhalten hat daher mit Bevormundung wenig zu tun. Es geht um Transparenz und Ermächtigung, die Entscheidungsfreiheit bleibt aufrechterhalten. Trotzdem ist zu hoffen, dass durch die Förderung nachhaltiger Ernährungsformen ein paar Würste weniger (bzw. Fleisch im Allgemeinen) gegessen werden. Dies kommt schlussendlich auch der menschlichen Gesundheit zu Gute.

Think global, act local!

Die Schweiz verpflichtete sich im September 2015, an der Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda 2030 der UNO aktiv teilzunehmen. Wir begrüssen es sehr, wenn nun auf Worte Taten folgen. Gerade beim Thema nachhaltiger Konsum und Produktion besteht grosses Verbesserungspotential. Deshalb sind Druck und Initiativen aus der Zivilgesellschaft sehr wichtig. Als Bürgerinnen und Bürger können wir auch mit unserem Abstimmungsverhalten einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Wir sind gespannt wie die Stadtzürcherinnen und -zürcher sich am Wochenende an der Urne entscheiden. Ein positives Resultat zur Vorlage hätte eine Signalwirkung auf die ganze Schweiz.

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