"Marroni, heissi Marroni!"

Die Marroni, die wir im Herbst und Winter gerne essen, ist die Edel- oder auch Esskastanie (Castanea sativa) aus der Familie der Buchengewächse. Ihr Verbreitungsgebiet ist der gesamte Süd- und Westeuropäische Raum. Früher war die Kastanie in Südeuropa der Hauptenergielieferant der Landbevölkerung während den harten Wintermonaten. Nicht zu verwechseln sind die Marronis mit der Rosskastanie, welche sich nicht zum Verzehr eignet. Unterscheiden kann man die beiden Nüsse an ihrem Aussehen. Rosskastanien haben dicke Dornen und eignen sich mehr zum Basteln. Die Esskastanien haben feinere Stacheln und eine abgeflachte Form. Die Marroni sind eine Weiterzüchtung der Esskastanie. Sie besitzen mehr Süsse, ein intensiveres Aroma und lassen sich besser schälen.

Gegen Ernteverluste mit biologischer Schädlingsbekämpfung

Vor 10 Jahren wurde durch die Gallwespe 90% der Marroni-Ernte im Tessin vernichtet. Die aus China stammende Edelkastanien-Gallwespe ist ein invasiver Schädling und konnte sich auf der Alpensüdseite ausbreiten. Sie nutzt die Edelkastanie als Wirt. Dabei legen die Gallwespenweibchen ihre Eier in die Knospen der Edelkastanie ab. Dort schlüpfen dann die Larven und überwintern. Kommt der Frühling werden die Larven aktiv und bringen die Bäume dazu, Gallen zu bilden, welche den Baum schwächen. Ein starker Befall des Parasiten reduziert die Frucht- und Triebbildung und führt zu einem Verkümmern der Bäume. Grosse Bäume streben zwar nicht ab, aber es kann bis zu 75% Früchteausfälle geben. Die Beschaffung von Marroni aus dem Tessin oder Norditalien wurde also nahezu unmöglich. Die gute Neuigkeit: Die Gallwespe konnte erfolgreich mit der Schlupfwespenart Torymus sinesis bekämpft werden. Die Schlupfwespe ist ein natürlicher Feind der Gallwespe. Sie legt ihre Eier in die Gallen der Kastanie ab und ihre Larven fressen dann jene der Gallwespe auf. Die Bäume haben sich heute weitgehend erholt.

Seltene Schweizer Marroni

Heute verzehrt die Schweiz 2500 Tonnen pro Jahr an Marronis. Doch nur 100 Tonnen davon werden in der Schweiz geerntet. Woher stammen also die restlichen 2400 Tonnen?  Der Konsum hat in den letzten Jahren zugenommen, die Anbaufläche aber hat abgenommen. Die Schweizer Marroni-Verkäufer importieren ihre Ware hauptsächlich aus Italien. Immer mehr werden die Marronis auch aus Portugal, Spanien und Frankreich in die Schweiz importiert. Manchmal sogar aus Chile, China und Thailand kommen kleinere Mengen her.

Alles Bio oder was?

Nicht unbedingt! Marroni sind ein Naturprodukt, dessen Anbau keine Chemie erfordert. Wie die Marroni Experten Erica Bänzinger und Fredy Bury in ihrem Marroni-Kochbuch erklären: «Marroni sind ein reines Naturprodukt, die in lichten Hainen in extensivem Anbau ohne jegliche chemische-und synthetische Hilfsmittel kultiviert werden.» Ein Biolabel für Marroni ist aber leider immer noch selten zu finden und wäre wünschenswert, denn eine Biozertifizierung würde mehr als nur "ohne Chemie" erfordern und durch unabhängige Kontrollen sichergestellt werden.

Unser CLEVER-Tipp

Warum nicht eine Herbst-Wanderung durch die Kastanienwälder unternehmen, dabei die Marroni gleich selber sammeln und dann köstlich selber zu Hause zubereiten? Im Herbst werden vielerorts im Oktober die typischen Marronifeste gefeiert. In Fully im Unterwallis die "Fête de la Châtaigne", die Chilbi in Murg (am Walensee) oder die "Chestene-Chilbi Greppen" am Vierwaldstättersee. Essen mit Erinnerungen schmeckt doch gleich viel besser und wir tun dabei noch etwas Gutes für unsere Umwelt.

 

(Text: Rahel Bösiger, Biovision)

 

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