Summ, summ... Ein Rundflug durch den CLEVER

Eine Produktion unserer Lebensmittel ohne Bestäuber möchten wir uns lieber nicht vorstellen. Ca. ¾ der weltweit meistgehandelten essbaren Pflanzen sind auf ihre Dienste angewiesen. Wir hatten eine Biene zu Gast im CLEVER. Lese an dieser Stelle ihren Bericht und über die Wichtigkeit bzw. Probleme der Bienen.

Tibor Rechsteiner, Praktikant Ausstellung CLEVER

Auf der Suche nach köstlichen Pollen pralle ich beinahe in die Scheibe mit dem grünen Logo. Daraufhin taumle ich und schwebe neben einer älteren Dame durch eine Tür. Ich lande auf einem Gestell und meine Facettenaugen streifen über eine Auswahl von Produkten, die in Regalen liegen. Sieht aus wie eine Ausstellung.

Ein paar Menschen stehen vor zwei grossen Computerbildschirmen, zwei junge Leute in beigen T-Shirts mit der Aufschrift «Biovision – Stiftung für ökologische Entwicklung» zeigen auf eine blaue Fläche. Ob das eine Blüte ist, vielleicht ein Enzian? Ich fliege darauf zu, lande aber auf einer eigenartig glatten Fläche. Sie ist warm und sofort taucht eine Hand auf und versucht, mich wegzuschieben. Ich fliege lieber davon, lande ein paar Meter weiter auf der Schulter eines kleinen Jungen und folge dem Gespräch zwischen den Besuchern und der Person im beigen T-Shirt.

«Dieses Produkt ist nicht sehr nachhaltig. Für dessen Herstellung werden sehr viel Wasser verbraucht und eine grosse Menge chemisch-synthetische Pestizide eingesetzt, welche die Umwelt und Biodiversität belasten.» Da spürt der Junge, dass ihn auf der Schulter etwas kitzelt und schaut mich direkt an. «Mami», ruft er und zieht mit der anderen Hand am Pullover der Frau vor ihm. «Es Bienli! Nimms wäg!» Ich will ihm keine Angst machen und setze zum Abflug an. Da drüben steht ein Bienenhotel. Allerdings ist das etwas für Wildbienen, die Architektur entspricht nicht meinem Geschmack. In der Schweiz gibt es 600 Arten von Wildbienen – Tendenz sinkend! Auch sie sind sehr wichtig für die Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen, produzieren aber keinen Honig und sind wohl deshalb nicht so populär wie wir.

Pollen für leckeren Honig suche ich hier vergebens, doch ich freue mich, dass sich diese Menschen in den beigen T-Shirts für uns einsetzen und erklären, warum wir für ihr Dasein so wichtig sind. Wer würde sonst die Obstbäume bestäuben, damit nachher köstliche Äpfel und Birnen geerntet werden können? Aber es geht nicht nur um Äpfel und Birnen, wir Bienen sind für die Bestäubung von 80% der einheimischen Wild- und Nutzpflanzen verantwortlich.

Dankbar sind wir allen Biobauern, weil sie ihre Wiesen, Äcker und Felder nicht mit synthetischen Pestiziden besprühen. Vor allem die Neonikotinoide machen uns zu schaffen und sind möglicherweise die Ursache für das verbreitete Bienensterben. Ausserdem finden wir auf mit chemischen Pestiziden behandelten Wiesen und Äckern nur noch ganz wenige verschiedene Pflanzenarten deren Pollen wir naschen und Blüten wir bestäuben können. Biodiversität adé. Diese Pestizide werden dann logischerweise auch im Honig nachgewiesen. In Mengen, die für die Menschen nicht schädlich sind, sonst wären sie bestimmt bereits verboten. Dass sie uns Bienen aber zusetzen, scheint leider nach wie vor wenig bedenken auszulösen.

Ich drehe noch eine Runde über die Köpfe der Besucher und schwebe hinaus. Es ist schon spät, ich muss weiteren Pollen suchen. Pro Kilo Honig besuchen wir mehr als eine Million Blüten und legen eine Strecke zurück, mit der wir 2.5 Mal die Erde umrunden könnten. Wir Bienen können aber nicht beeinflussen, wie viele Pestizide in die Umwelt gelangen – Du schon! Jeden Tag aufs Neue durch die Wahl der Produkte die Du konsumierst.

Übrigens unterstützt Biovision ImkerInnen bei der nachhaltigen Honigproduktion im äthiopischen Tolay. Eine Win-Win-Situation für Mensch und Biene. In Kombination mit nachhaltigem Anbau von Mais und Hirse, der Bekämpfung von Malaria und des Überträgers der Schlafkrankheit entsteht ein «4 gewinnt»-Effekt, der das Nettoeinkommen der Bauernfamilien mehr als verdreifacht. 

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