Wann kommt die Kostenwahrheit?

An der Tagung «Bio 3.0 – Visionen für die Biobranche und den Biokonsum» des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) versammelten sich verschiedene Akteure und Sympathisanten der Schweizer Biobranche, um sich über die Zukunft von «Bio» auszutauschen.

Die Tagung wurde vom Bio Suisse Präsident Urs Brändli eröffnet. In seiner kurzen Ansprache stellte er unter anderem die Frage in den Raum, ob etwas weniger strenge Richtlinien gewünscht wären, um in Zukunft noch mehr Bio zu haben?

Urs Niggli, Direktor vom FiBL, die Wichtigkeit einer guten Balance zwischen sozialen, ökologischen und technologischen Innovationen, um Bio aus seiner Nische zu führen. Er sieht vor allem in der Versorgung einer immer urbaneren Weltbevölkerung eine grosse logistische Herausforderung. Stephanie Strotdress von der Organisation Bioland aus Deutschland, hob die Bedeutung der Ausbildung der Landwirte hervor. Solange der Biolandbau in der Ausbildung nur ein Nischendasein einnehme, komme er wohl auch in der Praxis nur schwer aus dieser Position heraus. Sie sprach sich ausserdem für eine Kostenwahrheit aus, damit die öffentlichen Leistungen der Biobauern entsprechend honoriert und der Markt gerechter werde.

Kostenwahrheit würde bedeuten, dass alle externen Kosten, welche bei der Herstellung eines Produktes entstehen, in seinem Preis enthalten wären. So würde der Markt fairer werden, weil Produkte der konventionellen Landwirtschaft wegen der entstehenden Umweltverschmutzung und dem hohen Ressourcenverschleiss teurer würden. Im CLEVER weisen wir unsere Besucher auf diese Tatsachen hin und geben ihnen Hilfsmittel, um solche Produkte zu erkennen. Wenn diese Kosten nicht berücksichtigt bzw. minimiert werden, zahlen zukünftige Generation einen hohe Preis für unser heutiges Verhalten.

Der Geschäftsführer der Biotta AG, Clemens Rüttimann, präsentierte die Herausforderungen und Ansprüche der Verarbeiter. Er wünschte sich weniger Regulierungen, die es zunehmend unmöglich machen in kurzer Zeit neue, innovative Produkte gemäss Bio Suisse Richtlinien auf den Markt zu bringen. Jens Jung von der John Baker Bäckerei in Zürich hielt fest, dass die Aufrechterhaltung der hohen Qualität seiner Produkte und der verarbeiteten Rohstoffe entsprechende Kosten zur Folge haben. Seine Produkte sind deshalb in der Regel etwas teurer, aber am Ende entscheiden seine Kunden, ob ihnen das Produkt diesen Preis wert ist.

Wie bringt man nun den Konsumenten dazu, den Fokus vom Preis auf den Wert eines Produktes zu verschieben? Mit dieser Frage setzt sich die Organisation Slow Food Youth, welche von Laura Schälchli in ihrem Referat präsentiert wurde, auseinander. Ihre Anhänger vertreten eine avantgardistische Konsumentengruppe, die gute, saubere und faire Nahrung zu sich nehmen und durch ihr Engagement die Wertschätzung der Nahrung bei der gesamten Bevölkerung zurückgewinnen möchte. Zum Abschluss hielt Laura Schälchli fest, dass wir alle schlussendlich nicht nur Konsumenten sondern auch Co-Produzenten sind.

Ein Schlagwort, welches in verschiedenen Diskussionen zu hören war, ist die oben bereits erwähnte Kostenwahrheit. Ohne Kostenwahrheit wird es wohl weiterhin schwierig sein für Bioprodukte die angestrebte Marktmehrheit zu erlangen, was sich positiv auf Mensch und Umwelt auswirken würde. Wir vom CLEVER werden unsere Aufgabe weiterhin wahrnehmen und unsere Besucher für ein nachhaltiges Konsumverhalten sensibilisieren und motivieren, damit auch die kommenden Generationen unter bestmöglichen Bedingungen leben können.

(Bild zu Verfügung gestellt von Petra Schwinghammer, Bio Suisse)

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