In der Schweiz wird Zucker durch den Anbau und die Verarbeitung von Zuckerrüben produziert. Die inländische Zuckerproduktion deckt etwa 75% unseres Zuckerkonsums ab. Der Rest wird hauptsächlich aus europäischen Ländern importiert und basiert ebenfalls auf der Zuckerrübe. Gerade in Fertigprodukten steckt aber auch Zucker, welcher aus Zuckerrohr gewonnen wird und aus exotischen Ländern wie Paraguay und Brasilien stammt. Zudem kaufen wir auch gerne ab und zu Rohrzucker, um den in unserer Küche zu verwerten. Im Unterschied zum konventionellen Zucker steht der in Schweizer Fabriken produzierte Bio-Rübenzucker in Konkurrenz zum importierten Fairtrade-zertifizierten Bio-Rohrzucker aus Südamerika. Und dies obwohl unser einheimischer Biozucker umweltfreundlicher ist. Denn die Zuckerausbeute aus Bio-Zuckerrüben ist viel höher verglichen mit Bio-Zucker aus südamerikanischem Zuckerrohr. Somit wird weniger Anbaufläche benötigt. Für die energieintensive Zuckergewinnung nutzen Schweizer Fabriken umweltfreundlichere Energiequellen als die Konkurrenz in Übersee. Hinzu kommen viel kürzere Transportwege. Darum ist der Schweizer Zucker klimafreundlicher als Bio-Zucker aus südamerikanischem Zuckerrohr. Auch hinsichtlich des sozialen Fussabdruckes ist unser einheimischer Zucker zu bevorzugen. Entscheidend dabei sind die sozialen Missstände beim Anbau des Zuckerrohrs in Südamerika, welcher zu Kinderarbeit, Korruption, langen Arbeitszeiten, sowie fehlender Arbeits- und Gesundheitsschutz führt. Die nachhaltigere Einkaufsentscheidung ist also der einheimische Biozucker. Zurzeit kann die Bio-Zucker-Nachfrage in der Schweiz noch nicht mit inländischen Zuckerrüben gedeckt werden und wir müssen Bio-Zuckerrüben aus Deutschland importieren. Die Schweizer Bio-Zuckerrübenproduktion nimmt aber zu. Bis 2016 wurden in der Schweiz nur 11 Hektaren Bio-Zuckerrüben angebaut. Grund dafür sind die Unkraut- und Schädlingsbekämpfung, sowie Ertragsverluste von Bio-Zuckerrüben, welche die Produzenten vor grosse Herausforderungen stellt. Dann taten sich Coop, Bio Suisse, der Verband Schweizer Zuckerrübenbauern und die Schweizer Zucker AG zusammen, um dem Abhilfe zu schaffen und die Produzenten zu unterstützen. 2018 wurde bereits auf 80 Hektaren Bio-Zuckerrüben produziert und damit 650 Tonnen Bio-Zucker hergestellt. Bis 2023 sollen es 200 sein. Dies ergäbe dann gut 12000 Tonnen Schweizer Bio-Zuckerrüben und würde so auch eine separate Verarbeitung von einheimischen Zuckerrüben ermöglichen.
Nora Tanner, Praktikantin CLEVER, Biovision